23.9.11

Bei Emil Jannings am Wolfgangsee ...

… fanden u.a. die Vorbesprechungen und Manuskriptarbeiten für den Film DER ALTE UND DER JUNGE KÖNIG (1935) statt, Regie: Hans Steinhoff, Buch: Thea von Harbou und Rolf Lauckner. Der Schauspieler Emil Jannings besaß seit 1929 am Wolfgangsee (Österreich) eine feudale Villa. An diese Zeit bei Jannings (und an Thea von Harbou) erinnert sich Hilde Guttmann, zu dieser Zeit Sekretärin von Thea von Harbou:

Hilde Guttmann: bei Emil Jannings

Hilde Guttmann: über Thea von Harbou

Nach ihrer Emigration 1939 lebte Hilde Guttmann in London. Erst 1952 kam es zu einem erneuten - brieflichen - Kontakt mit ihrem ehemaligen „Frauchen“ - von diesem initiiert:

Thea von Harbou an Hilde Guttmann, Berlin o.J.

Hilde Guttmann an Thea von Harbou, London, 28.7.1952

(Das Material stellte uns weitgehend Lore Prasch zur Verfügung, Autorin/Redakteurin einer (Fernseh-)Dokumentation über Thea von Harbou, ausgestrahlt in der ARD in den 1990er Jahren)

29.5.11

Metropolis@Girolamo

In dem Beitrag Metropolis fängt an… habe ich darauf hingewiesen, welche intramedialen Bezüge in der Desertus-Episode des Romans Metropolis (1926) von Thea von Harbou stecken: Denn der Mönch Desertus ist ein Wiedergänger des Fra Giuliano aus Harbous Erzählung „Die Eroberung von Orioli“ in dem Band Die Masken des Todes (1915). Diese Episode nun kann man noch genauer, nämlich intermedial konturieren, da sich die Autorin für 'ihren Mönch' eine in der zeitgenössischen Literatur um 1900 populäre historische Figur zum Vorbild genommen hat: Hinter dem fanatischen, asketischen und hässlichen Fra Giuliano bzw. Desertus, der in 'seinem jeweiligen Dom' durch Bußpredigten die Menschen aufwiegelt, steht sehr deutlich Girolamo Savonarola. Als naheliegendes literarisches Vorbild für die Gestaltung der historischen Figur (1452-1498) erachte ich Thomas Manns Theaterstück Fiorenza (1906) (vgl. zu dem Stück Frizen 2001, S. 311-314; siehe auch Manns Erzählung „Gladius Dei“ aus dem Jahr 1902; vgl. zu Savonarola ausführlich Forasseco 2008).

Dieser m.W. bisher übersehene Verweis auf die historische und literarische Figur Girolamo Savonarola als Vorbild für 'den Mönch von Metropolis' fügt sich ein in den überhaupt sehr weiten intermedialen Bezugsrahmen des multimedialen Projektes Metropolis, wie er von Jürgen Müller und Joern Hetebruegge beispielsweise für das Spektrum der Hochkunst aufgezeigt wurde (genannt seien nur Die Apokalypse Dürers, Boschs Triptychon Der Garten der Lüste oder Bruegels Turmbau zu Babel).

Und die Desertus-Episode findet sich jetzt (bzw. fand sich immer) auch im Film Metropolis (1927): In der restaurierten Fassung sind zwei Einstellungen zu sehen, in denen der fieberkranke Freder Fredersen von dem predigenden Mönch fantasiert, der die Maske des Schmalen (Fritz Rasp) trägt. Diese Einstellungen, die an sich ins apokalyptische Bild der Transformation der ‚großen Hure‘ Metropolis passen, erweitern jedoch zudem die Interpretationspalette um die widersprüchliche Nuance „des übermenschlichen Charismas des die Massen bezaubernden Führers“ (Forasseco 2008, X). Von daher stellt sich die Frage: Von wem träumt Freder da eigentlich?

Primärliteratur:

Harbou, Thea von: Die Masken des Todes. 7 Geschichten in einer. Stuttgart u. Berlin: Cotta 1915.

Harbou, Thea von: Metropolis. Roman. Berlin: Scherl 1926.

Mann, Thomas: Fiorenza: Berlin: Fischer 1906.

Mann, Thomas: „Gladius Dei“. In: Projekt Guteberg. [EA 1902]

Sekundärliteratur:

Forasacco, Denis: Girolamo Savonarola in der deutschen Dichtung um 1900. Zwischen fiktivem Archetypus und Projektionsfigur der Krise. Hamburg: Kovač 2008. (Studien zur Germanistik. 26.)

Frizen, Werner: Thomas Mann und das Christentum. In: Thomas-Mann-Handbuch. Hrsg. v. Helmut Koopmann. 3. aktualis. Aufl. Stuttgart: Kröner 2001. S. [307]-326.

Kagelmann, Andre: Der Krieg und die Frau. Thea von Harbous Erzählwerk zum Ersten Weltkrieg: Kassel: Media-Net: 2009.

Keiner, Reinhold: Thea von Harbou und der deutsche Film bis 1933. Hildesheim u. a.: Olms ²1991. (Studien zur Filmgeschichte. 2.)

Müller, Jürgen u. Joern Hetebruegge: „Metropolis“ als Menetekel der Moderne. In: Architektur wie sie im Buche steht. Fiktive Bauten und Städte in der Literatur. Hrsg. V. Winfried Nerdinger. In Zus. M. Hilde Strobl u.a. München 2006. S. 187-199.

13.5.11

METROPOLIS fängt an...

In diesen Tagen läuft die vollständigste Version des Klassikers Metropolis in den deutschen Kinos an, die seit der Uraufführung vor 84 Jahren zu sehen war. – Doch während alle Welt auf diese ‚Ausgabe allerletzter Hand‘ schaut, richtet unser interdisziplinärer Blog noch einmal sein Augenmerk auf die Anfänge des Werkes.

Und diese Anfänge reichen weit vor das erste Treatment des Films zurück, in eine Zeit, in der Thea von Harbou noch nicht für den Film schrieb, sondern sich hauptsächlich als patriotische Kriegsschriftstellerin verdingte: 1915 legte sie dem Publikum jedoch die zyklische Rahmenerzählung Die Masken des Todes vor, die sich von der Tagesaktualität der Kriegsereignisse weit entfernte. Darin findet sich eine Erzählung mit dem Titel „Die Eroberung von Orioli“, die bereits einen wichtigen Motivkomplex von Metropolis enthält. Mehr zu dieser Erzählung erfahren Sie in dem nachfolgenden Ausschnitt aus meiner Dissertation Der Krieg und die Frau. Thea von Harbous Erzählwerk zum Ersten Weltkrieg.

27.2.11

Die künstliche Frau bei … Thea von Harbou

Eine Diplomarbeit von Iris Gassenbauer an der Universität Wien aus dem Jahr 2010 beschäftigt sich in einem Kapitel auch mit der künstlichen Frau, der Maschinenhexe Maria, in dem Film METROPOLIS. Iris Gassenbauer: „Ziel dieser Arbeit ist es, Gründe für das Erschaffen und das Scheitern der künstlichen Frau in den behandelten Primärwerken zu finden und zu diskutieren und somit einen Beitrag zur Forschung um frühere Sciencefiction und die literarische Verarbeitung der Erschaffung künstlicher Menschen zu leisten.“

Die Diplomarbeit liegt als PDF hier zum Download bereit!